7 Verhaltenstipps bei Gewitter

Fit für den Outdoor-Notfall beim Wandern, Klettern, Paddeln, Trekken oder in der Erlebnispädagogik?

Starke Schmerzen, Atemnot, Aufregung! Bist du in der Lage, den Überblick zu behalten und die richtigen Entscheidungen zu treffen? Hast du schon mal von RUM-BAP-SAU-DIWAN gehört? Das Prioritätenschema der Outdoorschule Süd e.V. bietet dir eine gute Struktur, wie du vorgehen kannst.

Unterschätze nicht die Gefahr!

 

1) Unterschätze nicht die Gefahr

„Es donnert nur ein bisschen.“

Sicher hast Du das auch schon mal gedacht: Irgendwo in der Ferne rumpelt es – aber das ist noch lange kein Grund umzukehren und die gerade begonnene Wanderung abzubrechen. Oder?

Eine der wichtigsten Regeln bei Gewittern lautet: Unterschätze niemals die Gefahr eines Unwetters – auch dann nicht, wenn Du keine Blitze sehen kannst, sondern es „nur“ Donnern hörst. Der Sicherheitszugewinn ist enorm.

Denn grundsätzlich gilt: Sobald Du das Gewitter hören kannst, befindest Du Dich in einer gefährlichen Situation.

Wenn die Zeit, die zwischen Blitz und Donner vergeht, geringer als 30 Sekunden ist, ist das Gewitter weniger als 10 Kilometer von Die entfernt – und Du befindest Dich in der Gefahrenzone.

Das bedeutet: Wanderung abbrechen. Umkehren und Dich sofort in ein Gebäude oder Auto begeben. Achtung! Grillhütten, Schuppen und Zelte bieten keinen ausreichenden Schutz, da ihre Struktur zu offen ist, um als sicherer Faraday’scher Käfig zu wirken. Sie besitzen zudem keine ausreichende Erdung, um den Blitz in den Boden zu leiten.

 

2) Was Du tun kannst, wenn Du keinen Unterschlupf findest

Aber was ist zu tun, wenn Du keinen geeigneten Unterstand finden kannst? Wenn Du mitten auf der Lichtung in ein Gewitter gerätst und der Blitz nur wenige hundert Meter neben Die einschlägt?

Nimm die Kauerstellung ein: Gehe mit geschlossenen Beinen in eine tiefe Hocke, möglichst ohne den Oberkörper mit den Oberschenkel zu berühren. Schließ Deine Augen und verdecke Deine Ohren, um Dich vor lautem Donner und hellen Blitzen in Deiner unmittelbaren Umgebung zu schützen. Falls diese Hockstellung zu anstrengend ist, kannst Du Dich auch auf Deinen trockenen Rucksack oder ein Seil setzen.

Indem Du Dich klein machst, erleichterst Du es einem Blitz über Deinen Körper in den Boden zu fließen, statt sich durch Deine Organe hindurch in den Boden zu entladen.

Im Internet wirst Du unterschiedlichste Varianten dieser Kauerstellung finden: Was alle gemeinsam haben ist, dass anzuzweifeln ist, ob sie jemals wirklich in der Praxis erprobt wurden. ;-)

Daher hier die wichtigsten Dinge: Klein machen, Beine schließen und mit der geringstmöglichen Fläche den Boden berühren.

Und ganz wichtig: Leg Dich auf keinen Fall flach auf den Boden! Damit erhöhst Du nämlich bei einem Blitzeinschlag in Deiner Umgebung die Angriffsfläche für die elektrische Spannung. 

 

3) Verteile Deine Gruppe

Vielleicht kennst Du ja die Mutprobe aus Kindertagen: Alle fassen sich an der Hand und ein/e Mutige/r greift an den Elektrozaun der Kuhweide. Die ganze Gruppe spürt den Schlag. So lustig dieses kleine Experiment in Deiner Grundschulzeit auch gewesen sein mag…

… genau dieses Phänomen willst Du um jeden Preis vermeiden, wenn Du mit einer Gruppe in ein Gewitter gerätst.

Deshalb heißt es wenn Du zum Beispiel mit einer Schulklasse oder Deiner Familie unterwegs bist: Verteilt Euch! Haltet mindesten 1 Meter Abstand voneinander – besser sind 3 Meter. Damit verhinderst Du, dass die elektrische Spannung von Person zu Person überspringt.

 

4) Zieh Deinen Rucksack aus

Wanderrucksäcke haben häufig ein eingenähtes Metallgestell, dass den Tragekomfort erhöht und für eine gute Lastenverteilung auf dem Rücken sorgt.

Zieh solche Rucksäcke im Gewitter unbedingt aus – Metall zieht elektrische Spannung zwar nicht an, leiten sie aber sehr gut. Da das Metall sehr nah an Deiner Haut ist, besteht hier erhöhte Verbrennungsgefahr. Stell den Rucksack auf den Boden und suche mindestens 30 Meter entfernt einen Unterschlupf. 

Verteile Deine Gruppe: Haltet mindesten 1 Meter Abstand voneinander – besser sind 3 Meter.

 

5) Raus aus dem See – und weg vom Ufer

Wenn Du beim Baden oder eine Kanutour vom Gewitter überrascht wirst, herrscht höchste Gefahr: Offenes Wasser ist die gefährlichste Umgebung, in der Du Dich während eines Gewitters aufhalten kannst.

Auf dem Wasser bist Du der höchste Punkt den der Blitz bevorzugt. Was hinzukommt, ist, dass Wasser Elektrizität sehr gut leitet, wenn der Blitz erst einmal eingeschlagen hat. Auch wenn Du nicht direkt vom Blitz getroffen wirst, kannst Du dadurch dennoch ernsthaft verletzt werden.

Deshalb geh sofort aus dem Wasser – schon dann, wenn Du es "nur" Donnern hörst. Schwimm oder paddele zurück zum Ufer und verlasse das Wasser zügig. Entferne Dich so weit wie möglich vom Ufer, da elektrische Spannung auch vom Wasser auf das Festland überspringen kann. 

 

6) Das Gewitter vermeiden

Am sichersten bist Du bei einem Gewitter, wenn Du gar nicht erst hineingerätst. Prüfe gerade im Spätsommer vor jedem Ausflug den Wetterbericht.

Im Gebirge entstehen Unwetter typischerweise am frühen Nachmittag. Plane daher Deine Wanderung am Morgen und seien bis zum Mittag wieder zurück an Deiner Hütte.

Wenn Du längere Wanderungen planst, zum Beispiel bei einer Alpenüberquerung, suche zuvor in der Karte nach geeigneten Schutzplätzen, die Du aufsuchen kannst, falls Du unterwegs von einem Gewitter überrascht wirst.

Bei den Gefahren eines Gewitters denkst Du sicherlich in erster Linie an den Blitz. Der Blitz ist aber nicht die einzige Wettererscheinung, die Dir gefährlich werden kann: Denke auch an den stürmenden Wind, herabfallende Äste, starken Regen, aufgeweichte Wanderwege und anschwellende Bäche! Es lohnt sich also aus vielerlei Gründen Deine Wanderung abzubrechen und umzukehren.

 

7) Wenn der Sturm vorüber ist

Warten Sie mindesten 30 Minuten nach dem letzten Donnerschlag, bis Sie Ihren Unterschlupf verlassen. Nur dann können Sie sichergehen, dass das Gewitter abgeklungen oder ausreichend weit entfern ist.

 

Fazit: Die wichtigsten Verhaltensregeln auf einen Blick

Mit den folgenden Tipps sind Sie gut für den richtigen Umgang mit Gewitter gerüstet. Damit Sie dieses Wissen immer parat haben, können Sie sich die wichtigsten Verhaltensregeln bei Gewitter ausdrucken und in Ihren Wanderrucksack legen.

 

  • Vermeiden Sie offene Flächen (Lichtung, Fußballfeld) und hohe, spitze Objekte aus Metall (Fahnenmast, Straßenlampe)

  • Sobald Sie das Gewitter hören können, befinden Sie sich in einer Gefahrensituation. Wanderungen abbrechen und umkehren oder einen sicheren Unterschlupf suchen, zum Beispiel ein Haus, Auto oder eine Höhle.

  • Befindet sich das Gewitter in unmittelbarer Nähe, legen Sie sich auf keinen Fall hin, sondern gehen Sie mit geschlossenen Beinen in die Hocke.

  • Gehen Sie bei Donner sofort aus dem Wasser und entfernen Sie sich vom Ufer.

  • Warten Sie mindestens 30 Minuten nach dem letzten Donnerschlag, bevor Sie weiterwandern. 

 

Die 4 wichtigsten Verhaltenstips als PDF:

Klicken, downloaden, ausdrucken und in den Wanderrucksack legen. :)