![]() |
![]() |
Häufig stehen einer Integration von MigrantInnen unterschiedlicher Herkunft in die deutsche Gesellschaft mitgebrachte, kulturelle geprägte Sitten, Verhaltensregeln und Wertvorstellungen entgegen. Plötzlich sollen die Traditionen des Heimatlandes im Einwanderungsland nicht mehr gelten oder sogar strafbar sein? Eine dieser Traditionen ist die Beschneidung der weiblichen Genitalien, die in vielen afrikanischen, manchen arabischen und asiatischen Ländern üblich ist. Für „westlich“ geprägtes Denken eine grausame Menschenrechtsverletzung. Für diejenigen Völker, die die Beschneidung ihrer Mädchen praktizieren eine Tradition, die Mäd-chen erst zu ehrbaren Frauen werden lässt.
Auch in Deutschland werden Mädchen aus Beschneidung praktizierenden Migrantenfamilien beschnitten. Denn wie so oft halten Menschen, die in ein fremdes Land immigriert sind, an ihren wohlbekannten Traditionen fest. Häufig wird dieses Verhalten dann als nicht integrationsfähig verurteilt oder es wird weggesehen, weil wir von deren Traditionen nichts verstehen. Doch an dieser Stelle ist es aber wichtig hinzusehen und in Kontakt mit den MigrantInnen zu treten. Letztendlich kann nur ein offenes Gespräch die Hintergründe dieser Traditionen aufzeigen und verdeutlichen, weshalb die Praktik der weiblichen Genitalbeschneidung bis heute Bestand hat. Ein solches Gespräch bietet außerdem die Möglichkeit, MigrantInnen zu erklären, dass weibliche Genitalbeschneidung in Deutschland verboten ist und aus welchem Grund es eine Straftat darstellt. Viele von ihnen wissen nicht, dass ihre im Heimatland so wichtige Tradition in Deutschland eine Körperverletzung darstellt – der Gesetzesverstoß passiert dem-nach nicht bewusst. Bevor also zu Strafen gegriffen wird, müssen MigrantInnen über ihre Rechte und Pflichten aufgeklärt werden! Mein Anliegen ist daher, auch bei Traditionen, die auf den ersten Blick abstoßend und sinnlos wirken auf die Menschen zuzugehen und nicht davon auszugehen, dass sie sich nicht anpassen wollen! Im interkulturellen Dialog wird es möglich, auch heikle Themen offen zu diskutieren und miteinander Lösungen zu finden.