Komfortzonenmodell Erlebnispädagogik – frei nach Vygotzky

Auf unserer Website und auf unseren Klassenfahrten sprechen wir immer wieder davon, dass es darum geht „die eigene Komfortzone zu verlassen“.

  • Aber was genau bedeutet das eigentlich?
  • Und warum ist es gut, sich aus der Wohlfühlzone herauszubewegen?
  • Geht es hier nur um Abenteuerlust? Oder gibt es dabei mehr zu gewinnen?

Wir bringen hier ein bisschen Licht ins Dunkel und erklären das Komfortzonenmodell. Außerdem gibt es am Ende der Seite einen Link zum Download einer Druckversion dieses Schaubildes.

 

Zwischen „rotem Sofa“ und „Alarmstufe rot“

Beim Komfortzonenmodell geht es darum zu verstehen, unter welchen Bedingungen wir als Menschen am besten lernen und uns weiterentwickeln können.

Wenn wir uns in der eigenen Komfortzone bewegen, dann handeln wir so, wie wir es gewohnt sind. Wir machen die Dinge so, wie wir sie schon immer getan haben – weil wir mit diesen Handlungsschemata gute Erfahrungen gemacht haben. Die Komfortzone können wir mit einem bequemen, roten Sofa vergleichen: Wir können uns entspannt zurücklehnen. Alles ist wie gewohnt – unsere üblichen Verhaltensweisen führen uns zum Erfolg. Die Dinge laufen bei uns! 

Leider (oder glücklicherweise?) hat die Lernpsychologie gezeigt, dass wir uns nur wenig weiterentwickeln können, solange wir uns innerhalb unserer Komfortzone befinden.

Gleichzeitig konnte die Lernforschung beweisen, dass wir ebenso wenig lernen, wenn wir uns in Zuständen großer Angst oder Furcht bewegen: Unser Kopf signalisiert uns dann, dass wir uns in einer Notfallsituation befinden, und es sind im Vorderhirn die Bereiche überlastet die beim Lernen aktiv wären. Wir haben das Gefühl, dass es uns gleich an den Kragen geht und schalten in einen „Kampf oder Flucht“-Modus. In unseren Köpfen herrscht Alarmstufe rot, wir sind in der Gefahrenzone.

Es ist unmöglich in einem solchen Panikzustand zu lernen oder über uns selbst hinauszuwachsen. Da es in der Gefahrenzone um's Überleben können wir unsere Handlungen weder reflektieren, noch über sie nachdenken. Wir wollen einfach nur weg, raus aus der Situation.

Veränderung und persönliches Wachstum finden in der Lernzone statt, dann wenn wir das rote Sofa bewusst verlassen, um uns dem Ungewohnten auszusetzen. Dabei geht es nicht darum das Erlebte mit dem Kopf nachvollziehen zu können – auch Herz, Hand und Körper fördern das Lernen aus Erfahrung.

 

Lernen heißt subjektive Grenzen überschreiten

In der Lernzone werden subjektive Grenzen überschritten: Die einen befinden sich beim Felsklettern oder bei der Navigation mit Karte und Kompass in der persönlichen Lernzone. Für andere besteht das Abenteuer darin, keinen Handyempfang zu haben, fünf Tage lang fleischarm zu essen oder den ganzen Tag draußen sein.

Je öfter wir uns aus unserer Komfortzone herausbewegen, betreut durch erfahrene TrainerInnen neue Erfahrungen machen, desto größer wird unsere Komfortzone! Wenn wir uns Herausforderungen regelmäßig stellen und uns in die Lernzone bewegen, dann gewöhnen wir uns an die unbekannten Situationen – und sie werden so irgendwann selbst zum Teil unserer Komfortzone.

Und genau darum geht es in unserer Erlebnispädagogik: Die Teilnehmenden liebevoll herausfordern, das rote Sofa zu verlassen; unter Vermeidung der –wirklichen– Gefahrenzone.

 

Die Komfortzone

  • Das Gewohnte und Angenehme.

  • Äußerlich: das physische und materielle Wohlbefinden, das bequeme rote Sofa, die warme Dusche, gutes Essen, der gewohnte Tagesablauf, Geld, Auto etc.

  • Innerlich: Denken in gewohnten Mustern, Vermeidungsstrategien wie rationalisieren, umdeuten oder abschieben von Verantwortung, ablehnen von Risiken usw.

 

Die Lernzone

  • Die Couch wird verlassen: Wir betreten neue Wege, neues Gelände, befinden uns in unbekanntem Terrain. Es können hier physische und psychische Grenzen erfahren und erlebt werden. 

  • Gewohnte Denk-, Fühl und Verhaltensschemata greifen nicht mehr oder nur teilweise oder müssen hinterfragt werden oder dienen als Basis für „Erweiterungen“. Es kann/muss also eine Neuorientierung bzw. ein Lernprozess stattfinden um an dieser Grenze zu bestehen.

  • Es besteht die Möglichkeit seine Komfortzone zu erweitern und seine Grenzen zu verschieben.

 

Die Gefahrenzone

  • Hier haben wir unseren Komfortbereich soweit verlassen, dass die gewöhnlichen Grenzen weit hinter einem liegen und nur noch ein Bedürfnis zählt: So schnell wie möglich zurück in den Komfortbereich zu kommen!

  • Hier ist keine Veränderung möglich. Hier geht’s ums Überleben!

  • Die bisweilen traumatisierende Erfahrung sorgt eher für eine Manifestierung der gewohnten Grenzen und auch der Bereich der Veränderungszone wird so sehr mit Angst besetzt, dass ein Austesten der eigenen Grenzen zunehmend vermieden wird!

Hier geht's zur Druckversion des Komfortzonenmodell Erlebnispädagogik.