Systemische Erlebnispädagogik

Systemisches Denken im Verständnis von N.E.W.-Institut Freiburg

Das Thema gibt’s als ganze Bücher, Diplomarbeiten, Vorträge, Artikel. Im Folgenden nun einfach der Versuch, nicht bei Luhmann, Bateson oder Maturana zu beginnen, sondern in der Praxis.

Wo und wie lässt sich im erlebnispädagogischen Arbeitsalltag ein systemisches Denken festmachen und welche Veränderungen in der Arbeit, der Grundhaltung, des Settings, der Herangehensweise können dabei entstehen:


Auftrag-versteckter Auftrag-Auftragsklärung

Manchmal wollen bei uns Lehrer eine erlebnispädagogische Klassenfahrt buchen und die Schüler wissen noch nicht mal was davon! Das kann gut gehen, das kann aber auch in die Hose gehen.

Eine systemische Herangehensweise will die unterschiedlichen Hierarchien, Systeme, Zuständigkeiten, Verantwortlichkeiten,... und letztendlich Menschen! entsprechend würdigen in ihren je eigenen Wünschen und Vorstellungen was die Zusammenarbeit, die Aktion, den Aufenthalt angeht. Ein paar Hilfestellungen hierfür:

  • Wer übernimmt „Verantwortung“ für andere. Was sagen diese dazu?

  • Was will der Chef? Was wollen die Angestellten?

  • Wie wird der Auftrag letztendlich fixiert und entschieden?

  • Ist die Auftragsstellung für einen selbst akzeptabel und überhaupt leistbar?

  • Welche weiteren „Systeme“ wirken auf die Auftragslage ein?

  • Wie wird mit Kindern und Jugendlichen umgegangen? Wird für sie entschieden oder werden sie gehört?

  • Was löst der Auftrag in mir aus? Wie gehe ich damit um?

  • Wie wird der Auftrag fixiert? Welche Ziel,- Wunschvereinbarungen, Verträge werden geschlossen?


Ressourcenorientierung

Oft wird die (Sozial-)Pädagogik, die Erlebnispädagogik instrumentalisiert oder versteht sich selbst als Modul, Methode, um Defizite und Probleme „wegzumachen“. Die Vorstellung dass dies möglich sei entspricht einer Linear-kausalen Denkweise die so der Komplexität von Menschen nicht gerecht wird.

Eine systemische Grundeinstellung arbeitet mit dem Blick auf die Ressourcen arbeitet auf der „Haben-Seite“.

Ein paar Hilfestellungen hierfür:

  • Was ist ausbaubar?

  • Was ist schon vorhanden?

  • Was funktioniert schon? Wo gibt es bereits Zufriedenheit?

  • Wie haben sie bisher überlebt?

  • Wenn die oft unglückliche Aussage „IMMER...liegt folgendes Problem vor“ hinterfragt wird, wann hat das Problem keine Chance, wann und wie funktioniert es doch.

  • An welche Erfolge und Kompetenzen kann angeknüpft werden?

  • Welche Komplimente kann ich von Herzen aussprechen?

  • Welche (Überlebens-) Kompetenzen liegen hinter einem Problemverhalten?


Rahmen-Setting-Kontext

Eine Wurzel des systemischen Denkens kommt zweifelsohne aus der (familien-)therapeutischen Richtung. Und dort leuchtet im allgemeinen am schnellsten ein, dass es zum Beispiel bei einem jugendlichen Drogensüchtigen auch Sinn machen kann, sein Umfeld mit zu berücksichtigen. Also einen Blick auf die ihn umgebenden Systeme oder die Systeme in denen er involviert ist mit zu betrachten oder gar mit diesen Menschen dort zu arbeiten.

Ein paar Hilfestellungen hierfür:

  • Wie sieht das alles aus einer größeren Distanz aus?

  • Was würde XY zu Dir sagen wenn sie hier wäre?

  • Welchen Rahmen gilt es zu berücksichtigen?

  • Wer oder was hat alles Auswirkung auf unser Thema?

Wünsche- Ziele- Lösungen

Wie wird das halbgefüllte Glas betrachtet? Halb voll oder doch lieber halb leer? Da gibt es kein richtig oder falsch aber es gibt eine gewisse Wahlfreiheit! Systemisches Arbeiten bedeutet Lösungsorientierung, Ressourcenorientierung. Probleme werden so nicht in den Mittelpunkt gerückt, es werden sogenannte Problemtrancen vermieden ohne jedoch Probleme zu negieren! Probleme können als Herausforderungen betrachtet werden. Die Erlebnispädagogik schafft gerne Herausforderungen und konotiert damit bewusst oder unbewusst einen positiven Umgang mit problematischen Situationen.

Eine systemische Grundeinstellung wagt den Blick nach vorne, wohlwissend dass Vergangenes unwiderbringlich vergangen ist und wir ständig unsere Wirklichkeit neu generieren.

Ein paar Hilfestellungen hierfür:

  • Hättest Du einen Wunsch frei, welcher wäre das?

  • Hättest Du in Bezug auf ein Thema, Problem, eine Herausforderung alle Wünsche frei, was würde entstehen?

  • Was wäre ein nächster Schritt, ein nächstes Ziel, was Dich anspornt, was Du Dir zutraust?


Fortsetzung folgt mit folgenden Themen:



Wahlfreiheiten, Vielfalt und Verfielfältigung der Handlungsmöglichkeiten

Sinngebung, Eigensinn, Autonomie

Kooperationsbereitschaft

Wertschätzung