Neues Fortbildungskonzept „Praxisanwender/-in systemisch-ökosophische Erlebnispädagogik“

Der folgende Artikel erschien in der Herbstausgabe der Zeitschrift "erleben & lernen". Das Original können Sie im Downloadbereich als pdf- file ansehen.

 

N.E.W. hat ein eigenes und innovatives Fortbildungskonzept ins Leben gerufen und stellt sich einigen neugierigen Fragen:

Vorweg, wer oder was ist N.E.W. ?

Das Netzwerk für Team-Entwicklung und Weiterbildung entstand 1998 aus einer studentischen Initiative und hat sich mittlerweile zu einem kleinen und feinen pädagogischen Dienstleister gemausert.

Wie kam N.E.W. auf die Idee, ein eigenes erlebnispädagogisches Fortbildungskonzept zu entwerfen?

Gängige Fortbildungskonzepte orientierten sich zumeist an den Natursportarten wie z.B. Klettern, Raften, Mountainbiken etc. Dies sind zwar hervorragende Medien, mit denen sich im erlebnispädagogischen Bereich auch arbeiten lässt, jedoch ist es schwer, innerhalb einer gesamt- erlebnispädagogischen Fortbildung ausreichend Kompetenzen zum Durchführen solcher Aktionen zu erwerben. Dies setzt – schon allein aus Sicherheitsaspekten – meist langjährige Erfahrungen und Übung in den Sportarten voraus.

Daher haben wir eine Konzeption erstellt, die sich am aktuellen oder zukünftigen Praxisalltag der TeilnehmerInnen orientiert, um eine möglichst hohe Handlungskompetenz in der späteren erlebnispädagogischen Arbeit der TeilnehmerInnen zu erreichen.

Wir haben ein Curriculum erstellt, welches gewährleistet, dass alle TeilnehmerInnen nach der Fortbildung in der Lage sind erlebnis- und naturpädagogische Aktionen selbst nutzen und anbieten zu können.

Dabei legen wir den Schwerpunkt nicht auf Kick und Thrill sowie scheinbar Spektakuläres, sondern kleinschrittige, motivierende, erlebnisreiche Settings mit Aufforderungscharakter, die möglichst überall und jederzeit mit wenig Aufwand durchführbar sind. Dies bedeutet jedoch kein Verzicht auf „Action“ generell. Wir arbeiten lediglich mit einem anderen Fokus. Persönlichkeitsentwicklung beispielsweise ist für uns Menschen Action genug, wenn sie passend, kompetent, wirkungsvoll und adäquat in einem sicheren Rahmen ein- und umgesetzt wird.

 

Woraus schöpfen Sie die Erfahrungen, auf denen dieses Konzept basiert?

Wir arbeiten seit mehreren Jahren sowohl im Bereich der Fortbildung junger Menschen im FSJ/FÖJ, in der Erwachsenenbildung, als Organisations- und Teamentwickler, in der Jugendarbeit als auch im Bereich der themenzentrierten Schullandheime, Klassenfahrten und der LehrerInnenfortbildung. Dabei hat sich die Erlebnispädagogik als Methode immer wieder bewährt, sodass wir nach und nach auch eigene Module kreiert haben und Jahr für Jahr unsere eigene Erlebnispädagogik entstehen lassen konnten. Mittlerweile bieten wir auch Ferienmaßnahmen für Heimkinder an und arbeiten mit geistig behinderten Menschen erlebnispädagogisch! Nach und nach entstehen in Kooperationen mit anderen Trägern, wie z.B. Schulen und Heimen neue Konzepte und Ideen, die alle auf diesen Erfahrungen beruhen.

 

Was ist das wirklich Neue an dieser Fortbildung?

Etwas komplett Neues haben wir nicht erfunden! Was anderes zu behaupten wäre vielleicht vermessen. Wobei es ein paar Spiele, Tasks und Aktionen gibt, die wir selber irgendwie erfunden haben und die es so nur bei uns gibt. Aber solche eigenen Schätze hat ja jeder. Aber wie bereits erwähnt, haben wir versucht, die moderne Erlebnispädagogik auch wirklich mal auf moderne Menschen zuzuschneiden. Durch die Kooperation mit Haiko Nitschke trifft so beispielsweise die „klassische“ N.E.W.- Erlebnispädagogik auf die Arbeit mit initiatorischer Naturarbeit. Diese Bereiche zusammen ergeben ein derart spannendes und effektives Gemisch, welches auf der anderen Seite auch noch relativ einfach umzusetzen ist.

Sicherlich ergibt sich aber aus der Mischung unserer didaktischen Grundbausteine und unserer pädagogischen Sicht eine neue Perspektive. Die systemische Denkweise ist da zu nennen, genauso wie eine Subjektive Didaktik, die in Lernprozessen die jeweiligen Individuen berücksichtigt wissen will, das Zurücknehmen von Wichtigkeit des Menschen gegenüber der Natur, was wir in tiefenökologischen, ökosophischen Ansätzen vertreten sehen, eine „Erlebnispädagogik im Kleinen“ , eine Didaktik, die nicht vorgibt sondern begleitet. Ja, so gesehen sind wir, wenn man Erlebnispädagogik über die Menge der verschiedenen Natursportarten, die Höhe des Adrenalinspiegels und des Materialaufwands definiert, vielleicht sogar ganz schlecht Erlebnispädagogen. In Hinblick auf die Fortbildung lassen Bausteine wie Authentizität (wir machen, was wir vermitteln), Methodenvielfalt (es soll ja nicht langweilig werden), Selbsterfahrung (Pflicht für pädagogisch tätige Leute), Viabilität (Was für ein Wort!), die initiatorische Arbeit von Haiko Nitschke (so unscheinbar und so tief…), eine theoretische Fundierung (Wir lieben das Philosophieren!) u.a. ein innovatives Fortbildungsprogramm entstehen. Und letztendlich verstehen wir die Fortbildung als Kombination von Methodenvermittlung sowie Gelegenheit zur intensiven Selbstreflexion. Neu ist auch der Einsatz von Wahlmodulen. Das bedeutet, dass wir die Inhalte der Fortbildung dem Bedarf und den Wünschen sowie den Arbeitsfeldern der TeilnehmerInnen anpassen, um so für jeden und jede Einzelne größtmögliche Effizienz der Fortbildung zu gewährleisten.

 

Wie seid ihr mit Haiko Nitschke in Kontakt gekommen?

Unsere Initiation mit der Vision Quest – Arbeit erhielten wir sozusagen aus erster Hand durch Steven Foster und Meredith Little von der School of lost Borders, California. In der Folge kam es zu weiteren Kontakten mit dieser Arbeit durch den Leiter der School of lost Borders – Deutschland und dem Mitbegründer von Ökosys, Haiko Nietschke. Warum er spontan seine Zusage für diese Zusammenarbeit gab, müssen Sie ihn schon selber fragen; für uns stellt seine Arbeit jedoch eine mögliche Essenz unserer Sicht auf die Erlebnispädagogik dar. Diese Visions – Arbeit schafft Erlebnisse, die die Menschen in ihrem Tiefsten bewegen und verändern, sie mit ihrer Umwelt, der Natur oft neu verbinden, ohne diese zu benutzen, letztendlich hochgradig effizient sein kann und dafür so gut wie kein Material benötigt!

 

Wie ist die Fortbildung gegliedert?

Insgesamt sind 26 Fortbildungstage auf etwa 6 Monate verteilt, wobei 4 Wochenenden an verschiedenen Plätzen im Südschwarzwald stattfinden werden und zwei Kompaktphasen mit jeweils 4 und 10 Tagen. Die 10 Tage werden wir auf eine Mittelmeerinsel reisen und dort neben den Fortbildungseinheiten auch dem Erfahren des gruppendynamischen sowie erlebnispädagogischen „Flow“ einige Aufmerksamkeit widmen, wobei dort der Fokus auf dem subjektiven Erleben und einem stark selbsterfahrungsfördernden Setting liegen wird.

Unser Anliegen ist es, die jeweiligen Wünsche der TeilnehmerInnen möglichst zu integrieren. Dem versuchen wir dadurch gerecht zu werden, dass wir mit Wahlmodulen arbeiten, die den TeilnehmerInnen zur Auswahl stehen. Übrigens erwarten wir auch, dass dieser Bereich aktiv von den TeilnehmerInnen moduliert wird, schließlich gehen wir davon aus, dass jeder Mensch seine Kompetenzen hat.

 

Was ist das besondere am erlebnispädagogischen Ansatz von N.E.W.?

Hm, vielleicht ist es die Masse der Details… Man kann das vielleicht so beschreiben: Eine Kanutour ist etwas feines – wenn sie kompetent geplant und von einer erfahrenen Person geleitet wird. Nur ist der Aufwand meist so groß, dass man sich das alleine gar nicht zutrauen kann, und schon gar nicht, wenn man vorher lediglich ein paar Mal in einem Kanu gesessen ist. Die zu schulen, ist jedoch nicht unsere Aufgabe. Das ist ähnlich wie die Rope – Parcours – Geschichten - eine tolle Sache, wenn man einen solchen Parcours vor der Haustüre hat. Wir haben beispielsweise den Bau solcher Seilbrücken, Pampers – Pole und Flying Fox als Wahlprogramm in unsere Fortbildung integriert. Diese Geräte sind dann natürlich nicht ganz so monströs wie stationäre, aber genau so sicher. Und sie wirken – weil sie eben jederzeit und fast überall eingesetzt werden können.

Des Weiteren bietet die Natur eine solche Menge an erlebnisreichen Plätzen und Möglichkeiten, dass wir uns weitgehend darauf beschränken.

Ferner haben wir ein gerade für LehrerInnen anfangs relativ „schockierendes“ Seminarkonzept. Wir arbeiten nach Prinzipien von Prof. Kösels Subjektiver Didaktik. Und das bedeutet auch, dass die Teilnahme an den Aktionen – beispielsweise für SchülerInnen bei einem Schullandheimaufenthalt – grundsätzlich freigestellt ist. Auch geben wir entgegen dem (Schul-) Alltag nur so wenige Strukturen vor wie nötig. Und weiter versuchen wir, unsere TeilnehmerInnen immer wieder dadurch zu fordern, dass viele alltägliche Dinge bei uns bewusst anders laufen, um den eigenen Trott einmal wahrnehmen zu können. Eigenverantwortung, Selbstorganisation, sowie erhöhte Denkbereitschaft sind also Dinge, die nach einer Seminarwoche bei uns irgendwie selbstverständlicher erscheinen als davor. Und diese Vorgehensweise funktioniert bei uns seit Jahren hervorragend – egal mit welchem Klientel!

 

Was ist ihr Anspruch bezüglich der Fortbildung?

Wir wollen Menschen dazu ermutigen, eigene Ideen und Settings zu verwirklichen und diese im pädagogischen Alltag so einzusetzen, dass sie zu ihrer eigenen Erlebnispädagogik finden. Erlebnispädagogik ist auch und gerade heute noch in der Lage, Leben zu bereichern und zu verändern.

 

Welche Zielgruppe fokussiert die Fortbildung?

StudentInnen, Menschen in sozialen oder pädagogischen Berufen oder entsprechenden Studien- und Ausbildungsgängen. Mittlerweile haben wir aber auch immer häufiger „fachfremde“ Menschen, die sich neu orientieren oder die einfach für sich selber etwas bewegen, etwas tun wollen. Auch diese sind bei uns gern gesehen…

 

Gibt es Zugangsvoraussetzungen für die Fortbildung?

Wir führen mit Interessierten an der Fortbildung stets ein Vorgespräch, um Missverständnisse und Fehlerwartungen auf beiden Seiten zu vermeiden. Lust auf neue Perspektiven, Offenheit, Mut zur Selbsterfahrung, ein paar soziale Kompetenzen, eine positive Lebenseinstellung, mehr braucht es gar nicht.

 

Adresse:

N.E.W. – Institut, Marie-Curie-Str.1, 79100 Freiburg, Tel. :0761-401-44-44, Fax : 0761-401-44-55, info[at]new-institut.de, www.new-institut.de